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Reif Larsen, Die Karte meiner Träume
Spivet ist kein ganz gewöhnlicher Junge. Die
liebste Beschäftigung des Zwölfjährigen auf der Farm seiner Eltern
in Montana besteht darin, alles, was er sieht, in Bildern und kurzen
Texten in seinen Tagebüchern festzuhalten. Dies ist seine Strategie,
mit der rauen, unnahbaren Art seines Vaters und seiner weltfremden
Mutter umzugehen, die nur dafür lebt, eine bestimmte Käferart
ausfindig zu machen und zu katalogisieren. Außerdem muss er
irgendwie mit dem Tod seines jüngeren Bruders fertig werden, denn
über diesen Vorfall wird auf der elterlichen Farm nicht gesprochen.
T.S. sendet einige seiner Zeichnungen auch an wissenschaftliche und
künstlerische Institutionen, und als dann eines Tages das
Smithsonian Museum aus Washington Kontakt mit T.S. aufnimmt und ihn
bittet, eine Ausstellung für das Museum zu übernehmen, macht sich
der kleine Junge auf die lange Reise in die Hauptstadt – ohne seinen
Eltern davon zu erzählen oder auch nur einen wirklichen Plan zu
haben, wie er dort überhaupt hinkommen soll. „Die Karte meiner
Träume“ ist ein außergewöhnliches Buch. Es reichert die Odyssee
eines kleinen Jungen quer durch die USA mit zahlreichen Zeichnungen
und Randbemerkungen aus den Tagebüchern T.S. an und gibt so einen
Einblick in die Gefühls- und Lebenswelt des Kindes, der über die
bloße Geschichte nie erreicht werden könnte. Larsen ist ein
Kunststück gelungen: Er verbindet eine Abenteuergeschichte mit einer
vom Erwachsenwerden, eine Familiengeschichte mit wissenschaftlicher
Literatur – und all das, ohne langweilig oder aufgesetzt zu wirken.
Es ist einfach ein ungewöhnlicher Roman mit einem ungewöhnlichen
Protagonisten, der einfach Spaß macht. Lesenswert.
Matthias Reitzig
Verlag S. Fischer ISBN 978-3-10-044811-8
Preis 22,95 EURO
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